Demonstrative Motivation für die Abiturprüfung?

Vom 16.3. bis 30.3.2017 finden die Abiturprüfungen in diesem Jahr statt. Auch ich habe, Anfang der 1990’er Jahre, meine Abiturprüfung an der gymnasialen Oberstufe in Groß-Bieberau geschrieben. Mindestens zwei Dinge haben sich seither offensichtlich aber gravierend geändert:

  • Ich konnte noch ungehindert vom Parkplatz an der Schule in meine Kursräume laufen und musste nicht Zugangsportale im neu installierten Metallzaun passieren.
  • Und wir waren noch auf uns alleine gestellt und absolvierten den Weg zur Prüfung ohne flankierende, großflächige Plakate von jüngeren Geschwistern und vor allem von unseren Eltern.

Ich war heute sichtlich beeindruckt, als ich mit meinem kleinen Sohn an meiner alten Schule vorbeispaziert bin. Und ich habe mir dann unweigerlich die Frage gestellt, ob ich das dann in 16 Jahren auch machen werde, ja auch machen muss? Bei der Fülle der Banner mit ihren mehr oder weniger motivierenden Sprüchen wäre wohl ein nicht mit einem Plakat bedachter angehender Abiturient schon fast wieder ein von Familie und Mitschülern ausgeschlossener Mensch – ja, er hätte wohl gar keine Chance die Prüfung zu bestehen. Gruppenzwang, oder macht man das heute so? Und was schreiben die Motivatoren so?

  • „Keep Calm and ABInsleben – Mama, Steve & Jule“
  • „ToDo Liste: 1. Abi – 2. Welt entdecken“
  • „Gib Gas – hol Dir die letzten Punkte – Mum-DeBabba Jojo&Lena“
  • „Punkten bis zum Schluss Niklas – Mami-Dad-Jannik“
  • „Keep calm – Get Abi“

Ein einzelner Plakatspruch wäre ja dann fast ohne Anglizismen ausgekommen. Wäre da nicht der „Mum“ oder „Dad“ Unfall am Ende noch passiert. Offensichtlich machen hier alle Englisch-Abitur oder es ist coole Pflicht, mindestens eine Mum oder dann einen DeBabba zu haben. Irgendwie schon fast wieder komisch, finde ich.

Meine Schlussfolgerung hieraus? Ich warte noch mindestens 15 Jahre die Entwicklung ab und entscheide dann, ob ich wirklich den Werbespot zur Motivation meines Sohnes vor der 20 Uhr Tagesschau schalten soll. Vorausgesetzt, es gibt dann noch eine Tagesschau im Ersten und vorausgesetzt, wir schauen dann noch Fernsehen.

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